Spaatzer Kirche

Die hiesige evangelische Dorfkirche gehört zu den interessantesten und ältesten Baudenkmalen im Ländchen Rhinow und steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Es gibt keine eindeutigen Überlieferungen, wann und von wem die Spaatzer Kirche gegründet bzw. erbaut wurde.

Vermutlich entstand sie gegen Ende des 12. Jahrhunderts mit der Einwanderung deutscher Siedler und der Verdrängung restlicher slawischer Stämme. Dafür spricht die frühgotische massive Bauweise aus Feldsteine, welche sog. Findlinge der letzten großen Eiszeit sind. Die Kirche in ihrer dreischiffigen nach Osten weisenden Gesamtlage wurde analog nach alten und noch heute gültigen Ritualen zur Totenbeisetzung errichtet. Der Turm zeigt wie der Kopf des Verstorbenen nach Westen, das Kirchenschiff wie die Füße nach Osten. Die meisten Kirchen in Deutschland stellen deshalb eine gute Orientierungshilfe zur Bestimmung der Himmelsrichtungen dar. Die Länge der Kirche beträgt etwa 20 m die Breite ca. 10 m und die Höhe auch etwa 20 m. Die Grundmauern aus besagtem Feldstein sind ca. 1 m dick.

Einer Sage nach, sind einmal Riesen (deutscher Ritteradel ?) unsere Gegend gekommen, die sich über die kleinen Einheimischen (wendische Slawen ?) in Spaatz lustig machten. Die Riesen nahmen darauf hin die kleinen Leute in ihre Schürzen und trugen sich diese gegenseitig zu, um ihre Freude daran zu haben. Einige Zeit nach der Einwanderung der Riesen erwiesen sie den Einwohnern die Gunst zum Bau einer Kirche.

Bis zur Einführung der protestantischen Kirchenreform war die Kirche im Besitz von katholischen Obrigkeiten. Von evangelischen Pfarrern berichten die Chroniken ab 1566. Von diesem Zeitpunkt an war die Spaatzer Kirche als Hauptkirche für die umliegenden Dörfer bekannt gewesen. Die dafür zuständigen Pfarrer hatten bis Mitte der 1970er Jahre auch ihren Wohnsitz in Spaatz. Das ehemalige Pfarrhaus befindet sich ca. 100 m nördlich von der Kirche.

Der Kirchturm (20 m hoch) wurde 1706 nach einem Brand mit Ziegelfachwerk neu versehen. Es ist anzunehmen, dass bis zu diesem Brand auch der Turm aus massiven Feldsteinen bestand. Durch einen Blitzschlag im Jahr 1750 bekam der Turm nochmals eine neue Spitze, versehen mit einer Wetterfahne aus dem Jahr 1767. An südlicher Seite der Kirche wurde 1730 ein Leichen- bzw. Sargaufbewahrungshäuschen angebaut.

Von 1999 – 2000 wurde der Turm mit einem Kostenumfang von 262 TDM rekonstruiert. Die jetzige Wetterfahne trägt die Zahl 2000 als Inschrift. Im Turm befanden sich ursprünglich 3 Kupferglocken. Die kleine und die große Glocke stammten vermutlich aus der Zeit zwischen 1530 und 1560. Die große Bassglocke wurde 1705 nochmals umgegossen. Die mittlere Glocke war aus dem Jahr 1777 datiert. Auf den Glocken waren mehrere Abbildungen und Inschriften zu sehen gewesen, u.a. auf der mittleren über die Adelsfamilie von der Hagen, die jahrhunderte lang das Kirchenpatronat in Spaatz inne hatten. Die Glocken wurden 1917, da es dem damaligen kriegführenden deutschen Kaiserreich an Rohstoffen mangelte, durch Stahlgussglocken ersetzt. Die große Glocke trägt heute noch die Inschrift “Gottes Wort bleibt in Ewigkeit“.

Der Altar stammt aus dem Jahr 1647 und gehört mit zu den schönsten im Land Brandenburg. Auf der Vorderseite besteht der Altar aus drei Ölgemälden auf Holz. Das obere Gemälde weist auf die Darstellung über die Verklärung Christi hin. Im mittleren Bild ist die Kreuzigung Christi und im Hauptbild das heilige Abendmahl zu sehen. Interessant dabei ist, dass die dargestellten Jünger des Abendmahles Selbstportraits von Angehörigen verschiedener Linien der Adelsfamilie von der Hagen sein sollen.

1746 hat ein ortsansässiger Zimmermann, dem nach den Überlieferungen in einer fiebrig verwirrter Nacht der Heilland oder ein Engel erschienen sein soll, hat der Kirche die noch heute vorhandenen Sitzbänke geschenkt. An der Nordwand des Kirchenschiffes befindet sich ein polygoner Kanzelkorb aus dem 17. Jahrhundert mit einem darüber angebrachten Schalldeckel. Die letzte umfassende Aufarbeitung des Altars, der Kanzel und der Sitzbänke, insbesondere durch Malerarbeiten, war 1957.

Die Orgel mit 7 Registern bzw. Pfeifenanordnungen, einem Pedal und einer Calcantenglocke wurde 1878 für 570 Reichstaler vom einem Orgelmeister Lütkemüller aus Wittstock/Dosse gebaut und ist, nach Einbau eines elektrischen Geblässes, noch heute bespielbar. Eine kleine rechts neben dem Altar befindliche Orgel stammt vom Ende des 19. Jh.. Diese war lange Zeit ein Inventar des Pfarrhauses und ist ebenfalls noch bespielbar.

Wie bei vielen Kirchen in unserer Gegend typisch, so sind auch in und bei der Spaatzer Kirche Gedenktafeln und -steine zu Ehren der Opfer von Kriegen zu sehen. Innerhalb befinden sich Tafeln, die auf die napolionischen Befreiungskriege und dem 2. Weltkrieg hinweisen. Außerhalb steht ein Granitgedenkstein auf einem Sandsteinsockel für die Vermissten und Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Der Friedhof, anfangs um die Kirche in Kreisform angelegt, ist wahrscheinlich schon so alt wie die Kirche selbst. 1850 wurde er in östlicher Richtung vergrößert und 1870 mit einer Rot-Klinkermauer  versehen. Vorher umfassten Holzzäune den Friedhof. Die größeren Bauern hatten auf dem Friedhof mit Eisengitterzäunen oder rechteckigen Heckenanpflanzungen versehene Erbgrabstellen. Später, insbesondere nach der Erweiterung, kamen Reihengrabstellen hinzu.

Eine Friedensseiche wurde nach dem deutsch–französischen Krieg 1870/71 und zum Andenken der Gründung des deutschen Kaiserreiches am östlichen Ende des Friedhofs gepflanzt, welche noch heute steht.

Verfasser: Guido Quadfasel (Spaatz)