Dorf Prietzen (Gemeinde Havelaue)

 

 

Über den Ort Prietzen, heute mit seinen ca. 70 Einwohnern, gibt es nur wenige historische Belege. Aufgrund der vermuteten Besiedlung durch germanische Langobarden im 5. Jh. und slawischer Heveller (Wenden) bis zur Frühromanik, ist zumindest der Ortsname sehr alt. Einer Übersetzung nach bedeutet der wendische Ortsname „Pretzin(ar)“ soviel wie „der Durchfluss“ (des Flusses Rhin durch den Gülper See?). Eine andere Schreibweise in späteren Jahrhunderten lautete „Pryetzen“. Infolge der Unterwerfung und Verdrängung der Slawen in östlichere Gebiete durch deutsche Ritterheere unter Kaiser Otto I. bekam Prietzen seine in etwa bis heute sichtbare Gestalt als Straßenangerdorf.

Die im Dorfzentrum befindliche Backsteinkirche im neugotischen Stil ist von 1912 und ersetzte einen Vorgängerbau aus dem 16. Jh. Aus alten Überlieferungen geht hervor, dass es davor auch schon eine Kirche gab. Denn im heutigen Kirchturm befindet sich noch sehr alte Glocke (14./15. Jh.). Diese Glocke stammte vermutlich aus einer Kapelle, die sich einst auf dem zwischen Prietzen und Wolsier liegenden „Kienberg" (59 m) befand. Der Kienberg, so wird erzählt, diente den Einheimischen und anderen umliegenden Dörfern als Zufluchtsort bei Hochwasser bzw. zur Versorgung mit Lehm und Kies für die Häuser.

Besonderer Anziehungspunkt des Ortes Prietzen ist jedoch der nahe gelegene „GÜLPER SEE" und die historische Bockwindmühle aus dem Jahre 1773. Die Windmühle wurde in den letzten Jahren zum Teil rekonstruiert und als Naturbeobachtungszentrum der Universität Potsdam umgebaut. Der See (Gesamtfläche: 550 ha; größte Tiefe: 2 m), eingebettet in einer reizvollen Landschaft, ist heute ein bedeutendes Naturschutzgebiet im Ländchen Rhinow. Er dient abertausenden Zugvögeln (insbesondere Wildgänsen) als Winter­quartier oder als Rastplatz auf ihren Flug zu den Brutstätten nach Nordeuropa. Geologisch entstand der Gülper See am Ende der letzten Eiszeit (Pleistozän) vor ca. 10000 Jahren. Gewaltige Eismassen schoben sich aus Skandinavien kommend bis in dieses Gebiet. Nach dem Rückzug des Eises blieben Sandhügel (Kienberg) und Findlinge und das Urstromtal mit seinen Flüssen und Seen (wie dem Gülper See) zurück.

 

Die Vorfahren aus germanisch-slawischer und frühchristlicher Zeit hatten eine andere Vorstellung von der Entstehung des Sees. Eine Sage erzählt folgendes: Frau Harke, eine heidnische Göttin und Riesin, wurde wütend, als in Havelberg der Dom gebaut wurde. Sie wollte ihn vernichten. Darum entnahm sie an der Stelle des heutigen Gülper Sees viel Sand, füllte ihn in ihre Schürze und wollte mit Riesenschritten nach Havelberg eilen. Dabei riss das Schürzenband und der Sand fiel auf die Erde. So entstanden u. a. die Rhinower Berge und der Kienberg. Die Riesin wollte auch große Steine gegen den Dom werfen. Sie warf aber zu kurz. Deshalb kann man im Ländchen viele Findlinge entdecken.

 

 


Verfasser: Guido Quadfasel (Spaatz)