CDU Amtsverband Ländchen Rhinow/Nennhausen
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Dorf Gülpe (Gemeinde Havelaue)

Der Ort Gülpe liegt unmittelbar am Fluss Havel bzw. ca. 1 km in südwestlicher Richtung vom gleichnamigen See entfernt. Alten Quellen zufolge, siedelten hier im 5. Jh. germanische Langobarden. Später, bis zur Frühromanik, wurden wendische Unterstämme (Heveller) ansässig. Der slawisch-wendische Ortsname hat zwei mögliche Deutungen: „Golpe" seht für Taubendorf; oder „Gelippa" ist der Name einer wendischen Fischergöttin. Einer Sage nach , soll der Name auch „trinken" bedeuten. Im Spätmittelalter wurde das Dorf auch als „Juelpe" oder „Gulipp" aufgeführt. Nach der Christianisierung der Slawen unter Kaiser Otto I. im 10. Jh. wurde der Ort erstmals 1440 in einer Belehnungsurkunde an die Herren von der Hagen schriftlich erwähnt.

Der „GÜLPER SEE", von den Wenden als „Pretzinar" (See) = Durchfluss (des Flusses Rhin ?) bezeichnet, wurde durch eine Verleihung des Markgrafen Ludwig des Bayern bereits 1333 aufgeführt. Das Dorf blieb bis zum Ende des 2. Weltkrieges im Besitz der Adelsfamilie v. d. Hagen. Mitte des 15. Jh. wohnten in Gülpe 18 Fischer und Kossäthen. Im Jahr 1541 erfolgte die erste Nennung einer Kirche, welche 1687 auf dem heutigen Standort erbaut und 1723 nach einem Großbrand neu errichtet wurde. 1865 erhält die Kirche einen neuen Glockenturm. Dem Volksmund ist die Kirche auch als „Dom" überliefert. Einen besonders schönen Anblick bietet das auf dem Sims des Kirchturms gelegene Storchennest, welches sich dort seit Jahrzehnten befindet. Es wird jedes Jahr bewohnt. Durch Sanierungsarbeiten an der Kirche musste das alte Nest, welches  nach Schätzungen von Ornithologen ca. 20 Zentner gewogen haben soll, heruntergenommen werden.

Bereits 1725 wurde eine Dorfschule gegründet. Eine große Mäuseplage vernichtete 1773 die gesamte eingebrachte Ernte. Viel Leid widerfuhr den Einheimischen im 18. und 19. Jh. durch Großbrände und, aufgrund der nahe liegenden Havel, durch Hochwasser. Oftmals folgte den Katastrophen noch die Pest oder das Fleckfieber.

Heute leben in dem idyllischen Dorf etwa 180 Einwohner.

ALTE SAGE über die Entstehung des Ortsnamen „Gülpe“:

Das Dorf gehörte früher dem Gutsherren von der Hagen in Stölln. Dieser plagte die Bauern mit harten Frondiensten. Die Bauern wollten aber frei sein und stellten ein entsprechendes Gesuch an den Gutsherren. Dieser war einverstanden, stellte aber eine Bedingung: Binnen eines Jahres sollten die Bauern 100 Tonnen Bier austrinken (trinken = „gülpen“). Trotz großer Anstrengungen, schafften die Bauern nur 99 Tonnen. Seit dem heißt der Ort „Gülpe“. Hätten die Bauern Erfolg gehabt, hätte der Ort den Namen „Weißensee“ oder auch „Blankensee“ bekommen (beide Namen könnten einen Bezug zu den naheliegende See haben).

Verfasser: Guido Quadfasel (Spaatz)