Dorf Hohennauen (Gemeinde Seeblick)

Das Dorf Hohennauen, als zweitgrößter Ort des Ländchen Rhinow, liegt unmittelbar am gleichnamigen See. Der Hohennauener See (Länge: 8 km; Tiefen bis zu 12 m) ist in der Nacheiszeit vor ca. 10.000 Jahren als Rinnensee entstanden und hat Verbindungen zur Havel und zum Witzker See.

Von der Anlage ist Hohennauen ein Gassen- oder Platzdorf mit Gut und Kietz. Wie bei vielen anderen Orten des Ländchens, ist in hiesiger Umgebung mindestens von einer germanischen Besiedlung (Semnonen/Langobarden) bis zum 5. Jahrhundert auszugehen. Aber es sind auch frühere bronzezeitliche Funde in der Umgebung gemacht worden. Bis zum Frühmittelalter waren hier slawische Wenden (Heveller) ansässig. Das belegt u.a. wohl die mundartliche Schreibweise „ho n`nao n“. Möglicherweise wurde das ehemalige Gutshaus in der heutigen Pareyer Straße, welches auf einer Verlandungszunge (Landzunge) des Hohennauener Sees steht, auf eine slawische Siedlungsanlage errichtet. Das der Ort viel älter ist als seine früheste Erwähnung im 14. Jh., bezeugt auch der aus der ersten Hälfte des 13. Jh. stammende Backsteinkirchturm. Nach der Christianisierung ab dem 11./12. Jh. wurde „Hagenouwen“ aus dem Mittelniederdeutschen als „Siedlung auf einer hohen Insel“ bezeichnet („hage“ = hoch; „ouwe“ = vom Wasser umflossenes Land/Insel). Ende des 17. Jh. bekam mit „Hohen Nauen“ das Dorf seinen heutigen Namen. In das Reich der Legenden gehört zum einen, dass der Ortsname in Zusammenhang mit der Stadt Nauen (an der B 5) gebracht und zum anderen nach der Adelsfamilie von der Hagen benannt wurde. Der Name von der Hagen wird aber scheinbar mehr mit dem Ort Haage im Ländchen Friesack (nahe der B 5) in Zusammenhang gebracht.

Aus dem Jahre 1386 stammt mit „dat Hus to Hagenowen“ die erste urkundliche Erwähnung. Um 1400 hausten die berüchtigten „von Zicker“ als Raubritter in einer alten Wehrburg. 1492 ging das Dorf durch eine Übertragung des brandenburgischen Kurfürsten in den Besitz der Adligen von der Hagen. Aus dieser Zeit wird auch schon von einem Schloß „Hagenowe“ berichtet. Zu einer hufeisenförmigen und eingeschossigen Schlossanlage wurde es im Jahre 1778. Leider ist das Schloß heute in einem sehr schlechtem Zustand. Ab dem 17. Jh. teilte sich das Gut Hohennauen durch Verpfändungen in vier Rittersitze und wechselte mehrmals seine adligen Besitzer (u.a. 1780 von Bornstedt; 1807 von Kleist).

Die Dorfkirche mit einem Feldsteinsockel bekam Ende des 18. Jh., nachdem die alte Kirche (1586 erbaut) eingefallen war, ihre heutige Gestalt.

Hohennauen hat sich in den letzten Jahrzehnten, aufgrund der reizvollen Lage an dem See, zu einem bedeutenden Ausflugs- und Erholungsstandort des Ländchen Rhinow entwickelt.

Heute leben in der Gemeinde, einschließlich des kleinen Ortsteiles Elslaake (ca. 2 km nördlich) etwa 700 Einwohner.

 

Elslaake

 

Die kleine Siedlung an der B 102, ist seit 1957 ein Ortsteil von Hohennauen. Frühmittelalterliche Besiedlungen sind aufgrund der mundartlichen Schreibweise „elsloke“ zu vermuten. Später bezeichnete man den Ort auch mit dem Flurnamen „Elslake“, d.h. „in der Erlen wachsen in sumpfigen Niederungen/nassen Wiesen“ („Else“ = brandenburgisch für Erle; „lake“ = havelländisch für nasse Senke in Niederungen).

Im Jahr 1612 wurde der Ort „Eltz-laake“ im Zuge der Verpfändungen auf Hohennauen als Vorwerk mit einer Ziegelei erstmals erwähnt. 1702 wurden Pachtschäfer in „Elslake“ genannt. Anfang des 19. Jh. teilte man Elslaake in zwei Vorwerke: in Ziegelei und Kohlhof (ebenfalls ein Flurname; mundartlich „kolof“, mittelniederdeutsch „Kolhof“ = Gemüsegarten hinter dem Hof oder Gemüse, Kartoffeln, Rüben abseits vom Anwesen auf dem Übergang vom Feld- zum Wiesenbaden).

1833 sprach man von einer Siedlungsform „Etablissement“. Bis 1928 lief der Ort noch unter dem Namen „Der Kohlhof“. Danach fasste man beide Flurnamen in eine Bezeichnung – Elslaake – zusammen. Heute leben dort ca. 160 Einwohner, inclusive der Bewohner eines ansässigen Behindertenheimes.

 

Verfasser:  Guido Quadfasel (Spaatz)